Das ist mein Club!

Ich gehöre zu den Leuten, die wenig von Clubs und Vereinen halten. Man kennt es ja von verschiedenen Berührungen und Aussagen über Vereine, bei denen einige Mitglieder engagiert, viele aber passiv sind, manche das große Wort reden und Führungsansprüche erheben und es daher auch zu Auseinandersetzungen und Querelen kommt.

Ich konnte mich bis zu meinem 69 Lebensjahr vereinsfrei halten, bis ich schließlich durch einen Nachbar auf den hiesigen Filmclub aufmerksam gemacht wurde, der in der Nähe meiner Wohngegend tagt. Nach anfänglichem Zögern entschloss ich mich dann doch, einmal solch einen Abend zu besuchen.

Ich habe erst spät mit dem Filmen angefangen und nur nach meinem eigenen Gutdünken gearbeitet. Ehrlich gesagt, glaubte ich hier einen Club von Snobs vorzufinden, die schon eine viel größere Erfahrung als ich hatten und die daher sicher an meinen Filmchen wenig gute Haare lassen würden. Andererseits hegte ich die Hoffnung, doch noch einiges zu meinen Gestaltungs- und Schnitttechniken hinzulernen zu können.

Ich fing schon am ersten Abend Feuer und fühlte mich sofort in die Familie integriert.

Ich fand einen Freundeskreis vor, Individualisten aber keine Egoisten. Niemand zeigte sich überheblich und als Besserwisser. Jeder hilft jedem mit seinem speziellen Wissen und seinen Fähigkeiten.

Der besondere Stil jedes Einzelnen wird von allen akzeptiert und niemals destruktiv kritisiert. Aus konstruktiven Hinweisen ohne „Beckmesserei“ kann jeder für sich wertvolle Anregungen mitnehmen, wobei man den einen als nützlich, den anderen für die eigene Arbeit als weniger verwendbar betrachten mag. Gerade die Vielfalt der Stile macht für mich die Clubabende interessant.

Sicher, es sind auch schon mal Leute zu uns gestoßen, die glaubten, ihr Filmstil sei perfekt, und die dann enttäuscht waren, wenn es trotzdem Kritik gab. Aber das waren „Eintagsfliegen“, die dann fortblieben.

Neben Filmvorführung und Diskussion gibt es die Themenabende, einen Arbeitskreis, der besondere Experimente macht und z. Z. an einem gemeinsamen Filmprojekt arbeitet.

Aber auch die menschlichen Beziehungen kommen nicht zu kurz. Es gibt Treffen mit Familienessen und gemeinsame Ausflüge – auch mit Familie – z. T. mit  speziellen Themenstellungen. Darüber hinaus trifft man sich auch unter einzelnen Filmfreunden und hilft dort, wo der eine oder andere spezielle Probleme hat - z.B. mit der Gestaltung, dem Filmschnitt, der Begleitmusik oder dem Kommentar – oder wo für ein Filmprojekt mehrere Mitwirkende notwendig sind.

Mit zwei Jahren Mitgliedschaft gehöre ich zu den jüngsten Mitgliedern, fühle mich aber so, als hätte ich schon immer dazu gehört und habe – auch unter den langjährigen Mitgliedern - sehr viele Freunde gefunden.

 

Gerhard Wischniewski